Online-Heftroman: Savannahs güldenes Herz, Kapitel I

Savannah wirft ihr Haar über die Schulter, und selbst die Sonne scheint für einen Moment neidvoll auf diese güldene Pracht. Aber das muss uns als Leserin an dieser Stelle nicht stören, denn Savannah ist auch sehr bescheiden. Und nett zu Tieren. Und absolut pro Weltfrieden. Außerdem ist sie natürlich Jungfrau. Oder auch nicht, aber dann hat ihr Sex bisher absolut keinen Spaß gemacht – was an ihrem hinterhältigen Exfreund liegt, der eine Niete im Bett war. Doch das ist Savannah nicht klar, denn Savannah sieht in all den Menschen rund um sie stets das Beste. Was wir an dieser Stelle nicht als Zeichen überragender Dummheit werten, sondern natürlich ihrem wahnsinnig reinen Herzen zuschreiben.

Nachdem die goldschimmernden, ihre Unschuld symbolisierenden Wellen nun ordentlich auf ihre Schulter fallen, beugt sich Savannah wieder über die Tastatur ihres Computers, um ihrem nicht näher beschriebenen, aber sehr trostlosen Bürojob nachzugehen. Ihr wahres, zu diesem Zeitpunkt aus erzählerischen Gründen noch nicht enthülltes Talent liegt natürlich absolut brach, denn Savannah ist ein Opfer der Umstände.

Ihre geliebte Mutter, die stets so rein und gut gewesen war, dass die Mitglieder der örtlichen Kirchengemeinde selbst zwei Jahre nach ihrem Tode noch die zu Lebzeiten geäußerten Weisheiten auf Zierkissen sticken – nun, sie würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste, wie sehr Savannah leiden muss. Denn der frühe Tod der geliebten Mutter hat eine allzuschwere Last auf Savannahs fragile, aber durchaus nicht unangenehm mageren Schultern geladen. Savannah kann nämlich essen, so viel sie will, treibt auf all den Buchseiten niemals Sport, und ist trotzdem schlank wie ein junger Weidenzweig. Ein Weidenzweig mit erwähnenswert prallen Brüsten. Natürlich ist Savannah noch nie auf die Idee gekommen, dieses persönliche Feature oder auch ihre atemberaubende Schönheit zu ihrem Vorteil einzusetzen, denn sie besitzt keinen Spiegel. So arm ist sie! Aber das nur nebenbei.

Savannah wartet trotz all dieser Einführungen und Erklärungen immer noch geduldig seufzend an ihrem Schreibtisch darauf, dass diese Geschichte hier endlich losgeht. Wie gesagt trägt sie eine schwere Last mit sich herum: Da ihr Vater mysteriöserweise unbekannt ist, hat sie seit dem Tod ihrer Mutter die Verantwortung für ihre sieben Brüder: Chef, Happy, Seppel, Pimpel, Hatschi, Brummbär und Schlafmütze.

Liebe Leserin, du kannst dir bestimmt vorstellen, dass Savannah unter dieser – für normale 18jährige – unmeisterbaren Aufgabe nahezu zusammenbricht. Aber eben nur nahezu. Dazu kommt, da sie aus nicht erklärbaren oder völlig widersinnigen Gründen diese Tatsache vor der gesamten Welt verbergen muss, vor allem natürlich vor ihrem wahnsinnig gutaussehenden, wahnsinnig reichen und für Savannah wahnsinnig schwer zu durchschauenden Chef Prinz Botho Degenhart.

Ja, Prinz Botho Degenhart ist natürlich adelig, das kann man schon an seinem edlen Antlitz erkennen. Und an seinem mehr als stattlichen Körperbau, an dem Grübchen an seinem markanten Kinn, seinen stahlblauen Augen und natürlich jener schwarzen Locke, die ihm bei den richtigen Szenen vorwitzig in die Stirn fällt.

Aufgrund eines noch nicht enthüllten, aber total düsteren Geheimnisses aus seiner Vergangenheit, behandelt er alle Menschen in seiner Umgebung völlig zu Recht wie Dreck. Außerdem hat er aufgrund jenes noch nicht enthüllten, aber total düsteren Geheimnisses aus seiner Vergangenheit natürlich mit seiner Familie gebrochen, auf sein gesamtes Erbe verzichtet, eine eigene, aber nicht näher beschriebene Firma gegründet und sich in wenigen Jahren zum Tycoon hochgearbeitet.

Nun ist er so reich, so adelig, so gutaussehend und auf eiskalte Weise so charmant, dass Frauen reihenweise nach hinten umkippen, wenn er an ihnen vorbei geht. Aufgrund seiner geschundenen Seele fällt er natürlich regelmäßig und wahllos auf diese Frauen drauf. Was wir ihm aber nicht übelnehmen, denn erstens ist er ein Mann, und zweitens ist er eben eine geschundene Seele, die vermutlich nur durch ein reines Herz zurück ans Licht finden könnte. Was wäre das jetzt praktisch, wenn sich so ein güldenes Herz bereits ganz in der Nähe befände?

Doch das schrille Klingeln des Telefons reißt uns unvermutet aus unseren Überlegungen, wie wir denn poor Prinz Botho Degenhart helfen können. Savannah hebt ab, und ihr ausgesprochen einnehmendes Gesicht wird weiß wie die in Spachteltechnik gestaltete Mauer hinter ihr: Carla von Kratzenkatz-Biesterstein, die Verlobte ihres Chefs, ist im Anmarsch. Warum sie das per Telefon ankündigt, wissen wir nicht. Noch dazu, weil sie sich diese Mühe erst macht, als sie schon vor der Tür steht: Denn bevor Savannahs güldenes Herz sich von dem Schreck erholen konnte, stürmt Carla von Kratzenkatz-Biesterstein bereits auf ihren mindestens-18-Zentimeter-Stilettos ins Büro.

„Wo ist er?“, faucht sie Savannah an, und wirft ihr einen mörderischen Blick aus eiskalten Augen zu. Carla ist wie immer unerklärlich feindselig Savannah gegenüber, vielleicht weil sie von zuviel Gutigkeit Magengeschwüre bekommt. Wer weiß das schon.

Savannah springt auf, deutet mit zitternden Händen auf die sehr männliche Bürotüre aus solider Eiche, und stammelt: „Er ist gerade in einer Besprechung, Frau von Kratzenkatz-Biesterstein. Aber sie können nicht …“

Von Kratzenkatz-Biesterstein wirft ihr noch einen weiteren mörderischen Blick zu und stürmt dann an Savannah vorbei.

Mit Tränen in den Augen rauft Savannah sich bei diesem Anblick das güldene Haar, das dennoch dekorativ über ihre Schultern fällt, nun eben auf eine etwas aufgeregtere Art.

Ich habe versagt, hämmert es in ihrem Kopf. Ich habe versagt! Nun ist alles vorbei! Ich werde diesen Job verlieren, und wir müssen jämmerlich verhungern, denn es gibt in der ganzen Stadt keinen einzigen anderen freien Job. Prinz Botho Degenhart wird mich feuern, denn er wird mir diesen unverzeihlichen Fehler niemals verzeihen. Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld!

Wild vor sich hinschluchzend und tränenblind stolpert sie hinter Carla von Kratzenkatz-Biesterstein her, doch ein schriller Schrei lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren: Es ist bereits zu spät. Nun ist alles verloren.

Hier gehts zu Teil 2.

 

 

 

11 Gedanken zu “Online-Heftroman: Savannahs güldenes Herz, Kapitel I

  1. Wahahahahahhahahahaaa! 😂😂😂 Bitte, bitte mehr! Das hier ist echte Literatur, daran muss man sich erfreuen! 😂
    Warum diese Männer übrigens immer stahlblaue Augen haben, ist mir völlig unbegreiflich. Habt ihr euch die Farbe mal angeschaut? 😕

    Gefällt 1 Person

    • Ich arbeite hier am Literatur-Nobelpreis, Teil 2! Nach meinem wortgewaltigen Statement zum Thema Wetter. Vielleicht kann ich ihn mir mit mir selbst teilen, oder so. 😉
      @stahlblau: ich verstehe das auch nicht. aber Millionen Heftromane können nicht irren, nicht wahr?

      Gefällt 1 Person

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