Pure Schikane

Köhlchen: Das ist so gemein! Warum schreibt man „ist“ einmal mit zwei „s“ und dann wieder nur mit einem? Wie soll man sich das merken?
Ich: Naja, „ist“ kommt von „sein“ … „Er ist lieb“, zum Beispiel. „Isst“ kommt von „essen“ … so wie in „Sie isst gerne Eis“. Klingt ja auch ganz anders, oder? Ist und Isst? Und würde man die Wörter genau gleich schreiben, dann wärs irgendwie doof, die könnte man doch verwechseln.
Köhlchen, mit düsterer Miene: Ist doch egal. Erkennt man eh am Satz was gemeint ist.
Ich: „Er ist Opa“ heißt aber was anderes als „Er isst Opa.“
Erstauntes Schweigen, große Augen, dann Kinder-Lachkrampf … und Sache geklärt. 😉

Leseabenteuer

In den letzten Tagen hab ich zuerst einem alten Lieblingsbuch einen Besuch abgestattet: Stark von Stephen King. Ich war gespannt, ob ich das Buch immer noch so gerne mag … immerhin hab ich es schon seit langer Zeit nicht mehr gelesen. Und was soll ich sagen – der Roman war sogar besser, als ich ihn in Erinnerung hatte. Neben der gut ausgeklügelten Geschichte, die so nebenbei als Parabel auf Geschwisterbeziehungen und das Schreiben funktioniert, sind auch ab und zu Weisheiten in furchtbar schönen Sätzen versteckt. Da es ein King ist, gibts natürlich aufplatzende Augäpfel, spritzende Gedärme und jede Menge Blut. Außerdem beweist Mr. King hier wieder mal, dass er die Fähigkeit hat, die Untiefen und das Grauen in den harmlosen Dingen zu finden. Der Spatz als Symbol für unendliche, emotionslose Gnadenlosigkeit – in sich logisch und in seiner selbstverständlichen Einfachheit erstaunlich.

(…) Schließlich war er Schriftsteller, und ein Schriftsteller ist ein Mann, der dafür bezahlt wird, dass er lügt. Je besser die Lügen, desto höher das Honorar.

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Das zweite Buch von Herrn King ist ein Zufallsfund aus meinem öffentlichen Bücherkasten. Nach den ersten paar Seiten war ich überzeugt davon, dass ich dieses Buch nicht zu Ende lesen werde. Ich wusste, wie die Geschichte ausgehen wird, ich wusste, was davor passieren wird – und trotzdem hab ich es gelesen. Was weniger der Story als Herrn Kings Erzählkunst zu verdanken ist. Zähneknirschende Anerkennung für die Art, wie er mich dazu motivieren kann, nicht aufzugeben. Allerdings würd ich das Buch kein zweites Mal lesen.

(…) Die Welt hat Zähne. Und mit denen beisst sie zu, wann immer sie will.

Als nächstes auf meiner Liste: Der alte Mann und das Meer. Schon viel zu lange nicht mehr gelesen. Was lest ihr gerade?

Strategie ist alles

Köhlchen hat mich gestern mit sehr ernsthaftem Blick darüber aufgeklärt wie er es schafft, dass Mädchen seine Freundinnen sein wollen: „Mama, wenn ich ein Mädchen nett finde, dann mach ich ihr zuerst ein Kompliment, aber ein echtes … und dann erzähle ich ihr einen Witz aus meinem Witzebuch damit sie kichern muss … und dann fragt sie mich von ganz alleine ob sie meine Freundinnen sein kann.“ 😂 

Das macht er schon gar nicht schlecht, würde ich mal sagen … Ehrliche Komplimente und zum Lachen bringen sind sicher nicht der schlechteste Weg. Gilt nicht nur für 9jährige Mädchen. 😉😎

Echt, jetzt.

Da ich schon ein paar Mal die Frage gestellt bekommen habe, ob ich „in Echt“ so aussehe wie auf meinem gezeichneten Autoren-Portrait … hier die Auflösung. 😉 Nur mittlerweile erblondet, hihi. Was meint ihr … wie groß ist die Ähnlichkeit?

portrait charlotte cole

Klischees und Negligees

Vor meinem Urlaub bekam ich ein Mail von einer netten Dame, die nach ein paar sehr netten Komplimenten zu meinen Büchern vorgeschlagen hat, einen meiner Liebesromane mal nicht happy enden zu lassen. Das wäre doch mal was anderes.

Naaaaja. So sehr ich auch der Meinung bin, dass man Klischees meiden sollte, wann immer möglich – das Happy End ist nunmal eine der die allerwichtigste Konvention des Genres. Wir lesen (und schreiben) diese Bücher, weil der Weg beim Liebesroman defintiv das Ziel ist.

Dass man Liebesromanen dadurch eine gewisse Vorhersehbarkeit vorwerfen kann, ist nicht abzustreiten. Aber für Liebesromanliebhaberinnen wie mich spielt das keine große Rolle. Eine gut geschriebene Schnulze ist trotzdem spannend. Man fragt sich zwischendurch immer wieder, ob die Heldin den Helden kriegt. Man leidet mit, selbst wenn man weiß, dass sich die zwei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den Armen liegen werden.

Mit Klischees generell ist es ja so eine Sache – und das nicht nur in Büchern. In letzter Zeit wurde ich öfter mal gefragt, ob das Leben von Autoren glamourös ist. Treffen wir andauernd Berühmtheiten und hängen mit anderen Autoren ab? Und ob – zwinker, zwinker – die „interessanten“ Stellen in meinen Büchern autobiografisch sind, weil sie doch so lebensecht rüberkommen? Err …

Jenna Morecis youtube Kanal ist Hinblick auf Buchklischees defintiv einen Besuch wert, ich musste ein paar Mal wirklich lachen. Die meisten ihrer Pet Peeves könnte man auf rüschige Zierkissen sticken und an Liebesromanautorinnen verteilen. Weil Liebesromanautorinnen natürlich alle rosa rüschige Zierkissen daheim haben. Nur dann wird man in den geheimen Club aufgenommen!

Und weil wir schon bei den Bekenntnissen sind: Wir Liebesromanautorinnen tragen alle ständig durchsichtige Negligees beim Schreiben. Und diese Pantoletten mit Absatz und Puschel. Beim Tippen schlürfen wir literweise rosafarbene Cocktails, aber ausschließlich durch Strohhalme. Ihr wisst schon, die mit dieser glitzernden Palme drauf. Wir sind auch alle superdünn, superblond, supernett und superhübsch. Und klug! Wirklich! Moment, mein sixbepackter Butler bringt mir gerade ein Silbertablett mit handgeschnitzten Melonenkügelchen.

Natürlich ist jede erotische Szene in meinen Büchern ABSOLUT autobiografisch, bis ins kleinste Detail. Wie auch Thriller-Autoren allesamt Psychopathen sind, die in der Garage an wehrlosen Opfern rumsäbeln und Horror-Autoren als Grundvoraussetzung Meister der dunklen Magie sein müssen, die morgens schon ein Huhn köpfen, bevor sie sich an den Computer setzten. Nur so als Hinweis, falls ihr mal bei Stephen King oder Sebastian Fitzek eingeladen seid: Geht. nicht. in. den. Keller. Ihr wurdet gewarnt. 😉

 

Endspurt

Falls ich zur Zeit eher ruhig bin und meine Antworten ein wenig länger dauern … bitte seht es mir nach. Die Drachen sind dabei, flügge zu werden. Ich gelobe Besserung, sobald das Manuskript im Lektorat ist. Bis dahin brauche ich jedes Futzelchen Energie für die kleinen Biester. 😉😘 #Buchprojekt #Autorenleben #Drachensachen

Darfs ein bisserl mehr sein?

Neulich drüber gestolpert: https://www.boersenblatt.net/artikel-nina_george_ueber_die_stellung_der_frauen_im_literaturbetrieb.1272531.html

Das ist, mit Verlaub, eine Sauerei. Zwar – zugegebenermaßen – eine Sauerei, die mich als U-Indie-Autorin nicht so wirklich betrifft, da ich nicht aktiv auf Verlagssuche bin und meine Bücher auch nicht unbedingt Hochliteraturpreismaterial sind.

Aber: es gibt kaum etwas, das mich mehr aufregt, als systemimmanente Diskriminierung. Auch weil es verflixt schwer ist, dagegen aufzutreten, ohne die Augen der Zuhörer vor Langeweile glasig werden zu lassen. Wenn diese Ungerechtigkeit dann in Bereichen auftritt, wo man echt Besseres erwarten können, ist es doppelt bitter. Shame on you, Literaturbetrieb.

Die Mehrheit der Bücher wird übrigens von Frauen gekauft und gelesen. Ohne uns wäre es ob der unbezahlten Stromrechnung recht schnell finster in den heiligen Hallen der Selbstbeweihräucherung.