Die Relevanz von Nasenspitzenregentropfen

Köhlchen und ich haben heute Morgen beim ersten Schritt nach draußen gewusst: Frühling! Die Vögel zwitschern, es riecht nach feuchter Erde und die Knospen der Märzenbecher sind knapp davor, aufzuspringen.

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Nach ein paar Schritten ist Köhlchen ganz ruhig stehen geblieben und hat mich gerufen. Oder eher „Maaaaahhhmaaaahhh!“ geflüstert. „Ich hab grad einen Regentropfen auf die Nasenspitze bekommen! Kannst du ihn sehen?“

Ich mag Kinder, weil man sich mit ihnen viel besser über relevante Dinge wie Nasenspitzenregentropfen freuen kann, als mit den meisten Erwachsenen.

Als Köhlchen noch ziemlich klein war – so ungefähr zweineinhalb denke ich – da haben wir in der Früh diese wirren, netzartigen Spuren am Gartenweg gefunden, die die Nacktschnecken dort über Nacht hinterlassen.

Jetzt weiß ich, warum es Nacktschnecken gibt, hat Köhlchen gesagt.
Ich denke ja bei Nacktschnecken üblicherweise in erbärmlich erwachsenen Gedankenmustern – und eher an eine ekelig orangeschleimige Armee, die unseren Garten in eine Marslandschaft verwandelt.

Nicht so mein Kind. Und seine Erklärung ist deutlich besser. So viel besser, dass ich mir wünsche, nochmal so denken zu können: Nacktschnecken gibt es, damit man sich in der Früh über die silbrig schillernden Spuren am Gartenweg freuen kann.

Kinder und ihre Gedanken sind ein Geschenk an uns Erwachsene, und es macht mich irgendwas zwischen traurig und wütend, wenn die „Großen“ das runtermachen oder drüber lachen. Wir brauchen als Gesellschaft dringend mehr Demut Kindern gegenüber.

The stories we tell ourselves in order to live

1.) Unser Nachbar hat seinen Garten mit diesen Solarlampen aus dem Baumarkt behübscht. Vielen, vielen Solarlampen. In dunkelrot. Wenn ich nachts aufwache und aus dem Fenster blicke, sehe ich eine synchron blinkende Zombie-Landebahn.

2.) Ich denke, die meisten Erwachsenen bemerken gar nicht, wie viel Geduld Kinder uns entgegenbringen.

3.) Habt ihr auch Wörter, die ihr immer wieder falsch schreibt? Bei mir ist das „rau“. Ich finde, dieses Wort verlangt nach einem stummen h. Deswegen schreibe ich jedesmal: rauh. Und wundere mich, warum meine Schreibsoftware das Wort unterwellt. Lernfähig! … not. 😉 Ich frage mich, ob es durchgeht, wenn ich es einfach immer falsch schreibe? Ich verwende ja auch „retouchieren“ und „Sauce“, weil ich sie so hübscher finde.

4.) Mein Coautor Basti und ich haben unter (meinem) Protest ziemlich viel überflüssiges Zeug aus den Drachen gelöscht. Ziemlich viel im Sinne von: mehr als ein ganzes Kapitel. Warum lang und breit erzählen, wenn dafür ein Halbsatz an anderer Stelle reicht. Danach habe ich 1162 nigelnagelneue Wörter für meine Drachen geschrieben – was mich zu einem neuen, wieder niedrigeren Wordcount von 20.296 bringt. Und erstaunlicherweise  #immernochimschreibplan.

Meine zwei Lieblingssätze heute:

Dann ließ ich los, wie ein Turmspringer, der sich dem Sog der Gravitation hingibt.

Wassertropfen benetzten meine Lippen, meine Lider, mein Haar; formten kleine Bäche und liefen wispernd zum Stein hin, wo sie sich sammelten, bis ich sterbend in einem Meer aus gespiegelten Sternen lag.

5.) #gefunden:
Ich denke nicht, dass ich schon jemals etwas so Wahres über das Schreiben gelesen habe.