Der unzuverlässige Erzähler

Ein echter Klassiker der Filmgeschichte: The Usual Suspects (Die üblichen Verdächtigen). Abgesehen davon, dass sich der gesamte Film auf ein Zitat aus Casablanca bezieht, und ich es liebe, wenn Filme und Bücher Querverbindungen haben, spielt Kevin Spacey mit …  was an und für sich schon ein Grund ist, den Film anzusehen.

Ab hier enthält dieser Blogpost (eine Art) Spoiler, obwohl ich nicht direkt auf den Inhalt eingehe. Also nicht weiterlesen, wenn ihr den Film nicht kennt und spoilerbar seid. 😉

Was mich an diesem Film fasziniert, ist die wirklich wunderbare Umsetzung des unreliable narrators oder des unzuverlässigen Erzählers. Der Gedanke daran, den Erzähler, der ja Vertrauensperson, Nullpunkt und Anker für Leser oder Filmsehenden ist, gleichsam als Doppelagenten und Mittel zur Täuschung einzusetzen … hat was, auf eine bösartig geniale Weise. Vor allem, weil diese Täuschung ja schlußendlich doch wieder nur der Unterhaltung des Lesers oder Filmsehenden dient, also nie wirklicher Vertrauensbruch war. Oder doch? 😉

So richtig interessant wird es dann, wenn man darüber nachdenkt, dass wir alle unzuverlässige Erzähler unseres eigenen Lebens sind – unsere Wahrnehmung ist viel beschränkter, als wir üblicherweise wahrhaben wollen und sehr fehleranfällig.

Auch unsere Erinnerungen, die ja Bausteine unserer Persönlichkeit sind, werden bei jedem Abrufen (also jedem Erinnern) neu und anders abgespeichert. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass wahrscheinlich keine einzige unserer Erinnerung der Realität entspricht, dann lässt das viele Fragen über das Ich, die Vergangenheit, die eigene Motivation und Entscheidungsfindung zu.

Daraus leitete sich dann eben auch eine zwingende Relevanz für Autoren ab: Unsere handelnden Personen sind ja ebenso unzuverlässig in ihrer Erinnerung und Wahrnehmung. Wir können das gezielt verwenden (wie eben bei der Technik des unreliable narrators) oder nur einfließen lassen – aber sich dessen bewusst zu sein, ist ein wichtiger Schritt zum Verständnis von Geschichte, der menschlichen Natur und Handlungsabläufen.

Mehr zum diesem Thema in Bezug auf den Film „The Prestige“ gibts auch bei Nerdwriter, einem meiner Lieblingsyoutuber:

 

Im Kino: the neon demon

Ich denke, ich muss Mr. Cole überzeugen, mit mir ins Kino zu gehen. Alleine kann ich mir Horrorfilme leider nicht ansehen, ich bin wirklich feig. Ich brauche jemanden, der mir sagt, wann ich nach viel-zu-gruseligen Szenen wieder die Augen öffnen und die Hände von den Ohren nehmen kann. Tadaaah: eine Aufgabe für Mr. Cole aka my knight in shining armor. 😉

Für den Film spricht, dass es ausnahmsweise mal ein Horrorfilm ist, bei dem alle Hauptrollen weiblich sind. Die Bildsprache wirkt einfach wunderbar hyperästhetisch, und ich schau mir Filme mitunter auch einfach nur wegen der großartigen Bilder an.
Gegen den Film sprechen viele  durchwachsene Kritiken. Und die Inhaltsangabe (voller Spoiler!) auf Wikipedia. Ich sag nur: Augäpfel. Urks.

Filmkritik: Zoomania 

Der Filmbösewicht (#nospoilers!) sagt am Ende des Filmes einen ziemlich klugen Satz: „Angst“, so meint er, „Angst funktioniert immer.“

Zoomania (den englischen Titel Zootopia find ich besser, weil das Wortspiel mit Utopia mehr über den Film aussagt), ist ganz im Ernst einer der besten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

Er erzählt eine kluge Geschichte über die Probleme, mit der pluralistische Gesellschaften kämpfen. Darüber, dass es nicht reicht, vom Kopf her verstanden zu haben, dass Vorurteile falsch sind – und dass es oft auf der Gefühlsebene ganz anders aussieht. Welchen Einfluß die Medien haben, was das gesellschaftliche Bild für den Einzelnen bedeutet, und wie schnell die öffentliche Meinung kippen kann.

Grandioserweise funktioniert der Film auf zwei Ebenen – für Kinder und für Erwachsene – gleichermaßen gut, erklärt ein komplexes Thema ohne erhobenem Zeigefinger.

Er ist witzig, rasant erzählt, die Grafik ist umwerfend, die Dialoge toll geschrieben … und ich hatte bis knapp vor Ende keine Ahnung, wer der Bösewicht ist. Außerdem  kommen so tolle Filmzitate vor! Unbedingt ansehen, sonst habt ihr was verpasst. 🙂

Lieblingsfilm: Der Unfisch

Einer meiner Lieblingsfilme ist „Der Unfisch“ von Robert Dornhelm und Michael Köhlmeier. Wobei mit Nachdruck und Ernst, und ohne zu säumen gesagt werden soll: Ein Wal ist kein Fisch.

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Ein märchenhafter Film über einen ausgestopften Wal, der Wünsche wahr werden lässt … und über Gier, Sex und das Wesen der Wünsche. Und darüber, was wir bereit sind für unsere Wünsche zu opfern.

Inklusive sichtbarem Zeichen der Heiligkeit! 😉

Leider gibts es den Film nicht auf DVD. Hier könnt ihr ihn online leihen / ansehen: https://www.flimmit.com/der-unfisch/