Sprühkerzen, Mammuts, Phosphene & die Inquisition

Die letzte Woche war eine gute Woche. Wir haben Köhlchens Geburtstag gefeiert – eine Menge Geschenke, Parisercreme-Schokoladenüberdosis-Kuchen (vom Geburtstagskind bestellt) und Thymian-Heidelbeer-Galette (für die Erwachsenen). Geschenke, Sprühkerzen, Luftschlangen, ein Nachmittag mit Familie & Freunden, Kaffee, Gelächter und dann – ein ruhiger Abend. Ahh.

Ich hab eine Menge geschrieben und fotografiert (in meinem Zweitberuf als Fotografin). Außerdem bin ich gerade dabei mein Schreibbüro/Fotostudio neu zu sortieren … da ich mich als Fotografin auf Food spezialisiert hab, gibt es nicht nur die übliche Technik und Hintergründe, sondern auch Gewürze, Servietten, Teller, Schüsseln, Tischtücher, Gläser, Besteck, nach Kategorien und farblich sortiert … dazu dann der übliche Bürokram, eine Buchecke mit Kunstbänden, Kochbüchern und Büchern übers Schreiben, meine Notizbücher & Bulletjournals – das Mammutprojekt nimmt zwar langsam Formen an, aber ich werde vermutlich noch ein paar Tage daran arbeiten. Podcasts und Hörbücher passen da: perfekt. Ich bin nahezu wieder up to date, was meine Lieblingspodcasts angeht. Hörbücher sind ja eher so wie ihre greifbaren Kollegen: völlig unmöglich, jemals ans Ende der TBR-List zu gelangen. Gottseidank! 😉

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Speaking of books … in meiner guerilla library ist vor einiger Zeit dieses Buch über die Inquistion aufgetaucht: Als die Kirche Gott verriet. Da in meinem Drachenbuch auch eine Hexe vorkommt, dachte ich, jetzt wäre doch ein guter Zeitpunkt, es zu lesen. Der Tonfall des Buches ist aber relativ schnell gekippt – die persönliche Weltanschauung der Autoren war an vielen Stellen deutlich zu spüren, und das tut keinem historisch-faktischen Sachbuch gut. Also hab ich nach einem Abend und der Hälfte des Buches Tante Google befragt und rausgefunden, dass beide Autoren Verschwörungstheoretiker sind. Ihr erstes Buch handelt von der These, dass Jesus niemals am Kreuz gestorben ist, sondern statt dessen Maria Magdalena geheiratet und mit ihr Kinder in die Welt gesetzt hat. Die Nachkommen dieser Kinder leben heute noch auf dieser Erde, und zwar in Frankreich, allesamt Adelige im Geschlecht der Merowinger. Interessanterweise hat Dan Brown diese Theorie für eines seiner Bücher verwertet – was zu jahrelangen Prozessen zwischen ihm und den beiden Autoren Baigent/Leigh geführt hat. Das Hintergrundwissen hat mein Vertrauen in das Buch auf meinem Couchtisch nicht unbedingt verstärkt. Nachdem ich eine echte Schwäche für den genialen Irrsinn von Verschwörungstheorien habe, hab ich das Buch trotzdem fertig gelesen … leider weit und breit keine Aliens, Reptiloiden oder Merowinger, seufz. Morgen wandert es wieder in den Bücherkasten vor meiner Gartentüre. 😉

Außerdem hab ich hab diese Woche ein neues Lieblingswort gefunden: Phosphene (v. griech. φῶς „Licht“ und φαίνειν „erscheinen“) sind Lichtwahrnehmungen, die nicht durch Licht, sondern durch andere Reize auf das Auge, den Sehnerv oder den visuellen Cortex im Gehirn erzeugt werden. (Wikipedia) Diese bunten Lichtflecken, die ihr seht, wenn ihr euch die Augen reibt? Die haben einen Namen. Wunderbar!

 

 

 

Wanderlust, Vampire & Pralinen: Ein Interview mit meiner Lektorin Andrea Weil

Da unter meinen Blogleserinnen auch eine Menge Autorinnen bzw angehender Autorinnen sind, dachte ich mir, ihr interessiert euch vielleicht für ein paar Einblicke ins Leben einer Lektorin? Und vielleicht ist ja auch für die ein oder andere Buch-Aficionada etwas dabei 🙂

Andrea Weil, einer meinen beiden Lektorinnen, war so lieb und hat sich für ein Interview bereit erklärt. Sie hat gemeinsam mit der Textehexe Susanne Pavlovic Teil 1 und Teil 2 meiner Finley Meadows-Reihe lektoriert.

Und jetzt, auf zum Interview:

Hallo Andrea … danke, dass du dir Zeit nimmst!
Danke für dein Interesse 🙂

Du schreibst ja auch selbst. Hat sich deine Tätigkeit als Lektorin aus deinem Schreiben entwickelt? Oder umgekehrt?
Das Schreiben war zuerst da. Ich hab das Schreiben schon als Kind geliebt und mir Geschichten ausgedacht. Mit elf schickte ich mein erstes „Manuskript“ an einen Verlag . Die Absage der Lektorin hab ich heute noch, weil sie sich wahnsinnig Mühe gegeben hat, mir Mut zu machen.
Dann habe ich eine journalistische Ausbildung durchlaufen, ein sehr praxisnahes Studium, später Volontariat bei einer Tageszeitung, und schließlich als Redakteurin gearbeitet. Das hat mir nicht nur geholfen, meinen eigenen Stil zu entwickeln, sondern auch, andere Texte zu bewerten und Autoren zu betreuen. Und es lehrte mich Demut : Nur, weil ich es bei anderen kritisieren kann, mache ich es in meinen eigenen Texten längst nicht besser. Man wird als Verfasser immer „betriebsblind“.

Wie teilt sich deine Arbeitszeit ungefähr auf – zwischen eigenen Schreibprojekten und deiner Arbeit als Lektorin?
Momentan komme ich nicht so viel zum Schreiben, wie ich gerne möchte, deshalb mag ich jetzt keine Prozentzahlen schätzen. Das darf meine liebe Agentin gar nicht hören! Aber ich bin erst seit einem guten Jahr selbständig, muss mich am Markt etablieren und meinen Lebensunterhalt verdienen. Die Kooperation mit der Textehexe ist mir da eine unschätzbare Hilfe. Außerdem bin ich sehr dankbar, dass ich sie als erfahrenere Kollegin immer um Rat fragen kann. Gerade das Lektorieren macht mir jedes Mal wieder Lust, mich an meine eigenen Projekte zu schmeißen. Das passiert dann meistens abends. Oder nachts im Bett, wo mir die besten Ideen kommen. Deshalb hab ich immer Zettel und Stift im Nachttisch.

Für alle, die sich unter der Arbeit einer Lektorin nichts vorstellen können: Was macht eine Lektorin eigentlich so den ganzen Tag lang? Liegt ihr auf der Couch rum und futtert Pralinen, während ihr genüsslich in Bestsellern schmökert? Welche Art Pralinen? 😉
Belgische Muschelpralinen mit Nougat, mjammjam.  Ich setze mich morgens mit einer Kanne Tee an den Schreibtisch und lese meist direkt am Bildschirm, damit ich gleich an den richtigen Stellen Kommentare einfügen kann. Länger als eine Stunde am Stück kann sich der Mensch rein von seinen biologischen Voraussetzungen her gar nicht konzentrieren. Also lege ich immer wieder Pausen ein, in denen ich einkaufen gehe oder auch mal einen Termin für meine Lokalzeitung wahrnehme. Irgendwas, was mir das Gehirn durchpustet, damit ich frisch an den Computer zurückkehren an. Als Freischaffende kann ich mir ja meine Zeit selbst einteilen. Allerdings sitze ich abends auch oft bis zehn oder elf noch dran. Aber da ich meinen Beruf liebe, stört mich das wenig.

Für all die Indie-Autoren da draußen, die noch unsicher sind: Warum ist ein Lektorat wichtig? Was bringt die Arbeit einer Lektorin für ein Buch?
Wie ich schon sagte: Jeder wird betriebsblind. Und so wichtig Freunde und Familie als Testleser sind, sie haben keinen neutralen Blick aufs Werk. Ein Profilektorat ist sehr umfassend. Meistens mache ich mit meinen Kunden zwei Lektoratsdurchgänge aus: Im ersten konzentriere ich mich auf den Inhalt, Widersprüche, Spannungsbögen, Show, don’t tell, Charakterentwicklung und so weiter. Bekomme ich das Manuskript überarbeitet zurück, geht es um Stil, Satzbau, um das Vernichten böser, überflüssiger Adverbien und Adjektive (hat jemand gemerkt, dass ich gerade welche vetrwendet hab?), Rechtschreib- und Grammatikfehler. Auch wenn ich keine hundertprozentige Garantie fürs Korrektorat übernehme. Ich hab auch schon mit Autoren Coachings gemacht, wenn sie mit ihren Projekten nicht weiterkamen und nicht wussten, warum. Dann lese ich, was sie haben, und wir sprechen am Telefon über Erzählperspektiven oder woran es sonst noch so hakt. Ich verstehe, das ist eine Menge Geld, was man für ein Profilektorat ausgibt. Aber man bekommt auch eine Menge dafür und kann viel mitnehmen für das nächste Projekt. Bisher ist jedes Buch besser geworden – finde ich und sagen auch meine Kunden.

Welche Frage hört mal als Lektorin öfter mal? Welche Bemerkung? Was kann man irgendwann gar nicht mehr hören?
Hm, es sind mehr gewisse Grundhaltungen, die einem öfter begegnen: Dieser Zweifel, warum das „so viel“ Geld kostet, wenn doch jeder Lesen in der Schule lernt. Und dann die Erwartung, dass man dafür gefälligst ein druckreifes Manuskript zurückliefert. Aber ich bin kein Ghostwriter. Ich weise auf Probleme im Text hin und gebe Anregungen, doch lösen muss sie der Autor selbst. Ich hab viel zu viel Respekt vor seinem Werk, um da noch mehr dran rumzupfuschen! Ganz davon abgesehen, dass das noch ganz andere Honorarsätze wären. Aber solche Leute gibt es zum Glück selten. Jedoch muss ich viele Autoren dran erinnern, dass sie immer noch die Herren ihrer Schöpfung sind: Wenn ihnen eine meiner Anmerkungen nicht einleuchtet, können sie sie auch übergehen.

Ein häufiges Gegenargument von Indie-Autoren ist, dass ein Lektorat den Stil und die Sprache des Autors zerstört. Was denkst du darüber?
Es ist eine Gratwanderung, keine Frage. Es gibt immer einen Punkt, an dem ich mich frage: Ist dein Vorschlag jetzt besser oder gefällt er dir nur besser? Im letzteren Fall streiche ich ihn wieder. Aber es gibt recht weit verbreitete Regeln, wie man sie immer wieder in Schreibratgebern findet (wie dem fantastischen „Das Leben und das Schreiben von Stephen King), die es dem Leser leichter machen, sich mit einer Figur zu identifizieren, in eine Szene einzutauchen, Spannung zu empfinden. Ein Autor sollte natürlich seinen individuellen Stil entwickeln, denn das macht ein Buch lesenswert. Aber er sollte auch bereit sein, an sich zu arbeiten. Oder er kann einen Stil pflegen, mit dem leider die große Mehrheit der Leserschaft wenig anfangen kann. Vielleicht gewinnt man damit einen Nobelpreis, aber meistens nicht mal das. Im Elfenbeinturm kann es schrecklich einsam werden.

Hast du ein Haustier? Irgendein schräges Erlebnis mit deinem Tier?
Ich bin mit Hunden aufgewachsen, aber momentan lebe ich im vierten Stock eines Plattenbaus, ohne Garten und mit wenig Zeit, das würde ich niemals einem Hund antun. Auch keiner Katze. So richtig schräge Erlebnisse fallen mir gar nicht ein. Ich weiß noch, wie unser neuer Familienhund Tesha sich noch beim Züchter einen Virus zuzog. Ich verbrachte die erste Nacht damit, alle zehn Minuten Durchfall aufzuwischen und ein armes Würmchen zu trösten. Am nächsten Tag trafen sich alle Welpen im Wartezimmer des Tierarztes. Sie schliefen nach der Begrüßung in einem großen Knäuel in der Mitte des Raums ein – bis auf Tesha. Die  legte sich zu mir. Das war so süß!

Erzähl uns doch etwas über deine Schreibprojekte… Was hast du veröffentlicht? Woran arbeitest du gerade?
Bislag gibt es zwei Sachbücher von mir: Meine Diplomarbeit über den Stuttgarter Journalisten Erich Schairer und seinen Widerstand gegen die Nationalsozialisten, unter dem Titel „Der öffentlichen Meinung entgegentreten“. Und gerade ist eine Sammlung von Anekdoten aus dem DDR-Alltag meiner neuen Heimat Schwedt erschienen. Ansonsten habe ich einige Kurzgeschichten im Wolf Magazin veröffentlicht, zuletzt auch in Anthologien. Aktuell arbeite ich an weiteren Beiträgen für Kurzgeschichtensammlungen, habe einen Blog (www.grenzverkehr.blogspot.de) eine Kolumne bei www.literra.info und schreibe einen Vampirroman, für den mir meine Agentur Ashera einen Verlag vermittelt hat. Für meinen eigentlichen Erstling, ein Werwolfroman auf dem neusten Stand der Wolfsforschung, sucht sie noch einen. Ich bin da ganz geduldig, die Freude am Schreiben ist mir fast genug – aber nur fast. Mein Vampirroman geht von der Prämisse aus, dass es auch hässliche Vampire geben muss, und hat außerdem Regionalkrimi-Elemente.

Was sind die schlimmste Fehler, die immer wieder in Büchern vorkommen? Wobei rollen sich deine Zehennägel ein, wenn du es liest? ( … grinste die Autorin sinister, während sie mit ihrem Stift filigrane Muster auf rosenblütenweißes Blatt Papier malte.)
So richtig rollen sie sich bei mir, wenn jemand lachen, schmunzeln oder grinsen als Ersatz für „sagen“ hernimmt. Das kommt in so vielen schlechten Lokalzeitungsartikeln vor, dass ich schon von Berufs wegen einen Hass darauf entwickelt hab. Es ist sogar rein körperlich unmöglich, gleichzeitig zu reden und zu lachen. Probiert es aus! Man sagt etwas und muss dann aufhören, wenn einen das Lachen übermannt. Mein zweites Hassobjekt sind Adverbien. Im besten Fall sind sie überflüssig, im schlimmsten albern. „Er nickte zustimmend.“ Ja nu… zumindest in unserem Kulturkreis gibt es ablehnendes Nicken auch gar nicht. Das klingt nach Kleinigkeiten, aber sie verderben mir jeden Lesespaß. Und im Gegensatz zu großen Fehlern wie Widersprüche und Klischees findet man die leider auch in fertig gedruckten Büchern noch viel zu oft.

Lieblingsbuch?
Schwer. Lieblingsautor ist leichter: Peter S. Beagle. Vielleicht „I see by my outfit“, ein Roadtrip, den er in den 60ern beschrieben hat und der leider nie ins Deutsche übersetzt wurde.

Liebligsfilm?
Kommt auf die Stimmung an. Pan’s Labyrinth, The Dark Knight, Stand by me, Lost in Translation … Unter den in den jüngsten Jahren herausgekommenen: Her. Und Guardians of the Galaxy heben immer meine Laune.

Lieblingsmusik?
Ich mag meistens nur einzelne Lieder, dafür eine Bandbreite von Reinhard Mey über Mittelalterbands bis zu Guns N‘ Roses, Van Canto und Abney Park.

Wie gehts dir, wenn du zum Vergnügen liest? Kannst du da abschalten? Oder wispert dann ständig eine Stimme „Sterbt Adverbien, sterbt“ in deinem Kopf?
Ja, das tut sie leider tatsächlich. Zum Glück lese ich ohnehin viel auf Englisch, da kann ich den Lektor besser zum Schweigen bringen.

Ein ganz furchtbar schlechter Witz?
Steht ein Pils im Wald. Kommt ein Reh vorbei und trinkt’s aus.

Du klickst auf „Like“ unter einem Statusbeitrag auf Facebook und erhältst daraufhin ein gratis Iphone und eine Million Euro von Bill Gates überwiesen, wie versprochen. Was machst du damit? Startest du eine Marienkäferzucht auf den Fischi-Inseln? Entscheidest du dich für ein Studium der Proktologie im zweiten Bildungsweg? Verfällst du dem Hedonimus und postest Fotos von dir und deiner Yacht auf Instagramm?
Erstmal würde ich sowas wahrscheinlich nicht klicken, ich bin misstrauisch im Netz. Aber wenn ich zu Geld käme, würde ich an meinem Leben wahrscheinlich wenig ändern, es nur etwas aufpimpen: neuer Computer, ein Super-Teleobjektiv für meine Kamera, ein Spektiv zum Tiere-Beobachten und eine Reise in die kanadische Wildnis. Etwas spenden und den Rest sparen für schlechtere Zeiten.

Was ist dein Lieblingswort? Welches Wort wird leider viel zu wenig benutzt?
Ich hab kein richtiges Lieblingswort, aber ich mag zum Beispiel lautmalerische Tiernamen. Crex Crex, der lateinische Name des Wachtelkönigs, gibt sehr gut den Ruf eines balzenden Männchens wieder. Ich mag es auch, wenn es deutsche Wörter in den englischen Sprachgebrauch schaffen, weil sich umgedreht immer so viele Leute über Anglizismen beschweren. „Wanderlust“ ist eins davon. „Fuhrerbunker“ fand ich weniger komisch. Und ich mag das Wort Wolldecke. Da kann ich mich gleich einkuscheln.

Kannst du dich an einen lustigen Fehler erinnern, der dir mal in einem Buch beim Lektorieren aufgefallen ist?
Wo ich, glaub ich, am meisten gelacht habe, das war kein Fehler, das war ein kulturelles Missverständnis. Eine gewisse österreichische Autorin (schaut jetzt niemanden an) schrieb den Satz: „Nur ein paar Minuten ausrasten. Dann mache ich uns Frühstück.“ Aber ich kenne als bundesdeutsche Lektorin das Wort „ausrasten“ nur im Sinne von „durchdrehen“. Ich brauchte einige Sekunden, um zu verstehen, dass sie „ausruhen“ meinte.
(Anmerkung Charlotte: Ich hab KEINE Ahnung von welcher Autorin sie da scheibt. Ehrlich. Und ich ziehe die Frage zurück.)

Hast du einen Lieblingssatz aus einem Buch? Weil er so wahr ist, oder so perfekt formuliert, oder einfach so?
Da muss ich mich wieder dem Anglizismus-Vorwurf aussetzen, aber ich liebe Peter S. Beagle eben für seine Sprache. „Nathalie was seven, both in years, and in the number of her there sometimes seemed to be.“ Das ist höllisch schwer zu übersetzen. „Nathalie war sieben, sowohl in Jahren als auch in der Anzahl von ihr, die manchmal da zu sein schienen.“ Das klingt im Deutschen nicht so gut, aber im Original ist es eine wundervolle, knappe und doch poetische Metapher, um ein quirliges Kind zu beschreiben. Ich liebe es!

Wenn du SMS oder Mails von Freunden bekommst, hast du dann den Drang da Fehler auszubessern?
Nein. Wenn ich so nebenbei tippe, mache ich selbst genug davon.

Was war dein erstes Lieblingsbuch? Kannst du dich erinnern, wann deine Liebe zu Büchern angefangen hat?
Meine Eltern haben meiner Schwester und mir immer vorgelesen. Unsere liebsten Kinderbücher waren Der Maulwurf Grabowski, Fenny, der Wüstenduchs und Mach’s gut, kleiner Wolf. Ein Buch, das quasi mein Leben verändert hat, ist die „Wolfsaga“ von Käthe Recheis. Sie steht am Anfang meiner großen Wolfsbegeisterung und kam mir mit zwölf Jahren einfach nur magisch vor.

Würdest du gerne mal im Ausland leben? Wo?
Ich reise sehr gerne, aber ich muss nicht im Ausland leben. Ein längerer Farmstay im wilden Westen von Kanada ist noch mein Traum. Und ich habe mich in die schottische Hauptstadt Edinburgh verliebt, wegen der wahnsinnig herzlichen Einwohner und dem fantastischen kulturellen Angebot. Dort möchte ich gern noch mehr Zeit verbringen.

Dein Lieblingsverlag ruft dich an – sie brauchen eine Autorin, die den nächsten Weltbestseller schreibt: Dich! Die Marketingstrategen haben ermittelt, was im Buch unbedingt vorkommen muss, um bei der Zielgruppe so richtig einzuschlagen. Die Wörter sind: Zombie, Damenhandtasche, Lötkolben, Ligusterhecke, Bakterienbefall, Schnitzel. Nur du kannst die Sache retten! Worum gehts in deinem Buch?
Tolle Frage! Die Geschichte spielt in einer Damenhandtaschenfabrik, in der Zombies als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Sie verrichten die stumpfsinnigsten Arbeiten wie mit dem Lötkolben Muster ins Leder zu brennen. Natürlich haben sie keine Gewerkschaft, es ist eine moderne Form der Sklaverei, mitten in Deutschland! Statt mit ihrer Liebslingsspeise Gehirn werden sie mehr schlecht als recht mit Schnitzel am Leben gehalten. Eines Tages verbreitet sich unter den Arbeitern eine Epedemie aus Fäulnis-Bakterien, sie verlieren nach und nach immer mehr Körperteile. Während die skrupellosen Firmenchefs überlegen, wo sie neue Sklaven herbekommen können, schart Wunibald, unser Held, einige Zombies um sich. Sie planen einen Ausbruch durch die dichte Lingusterhecke, die das ganze Gelände umgibt, und wollen eine Heilung für ihre Kameraden finden. Wehe, die Idee klaut jetzt jemand! 😀

Danke für das tolle Interview! 🙂
Ich danke dir, das hat so viel Spaß gemacht!
LG
Andrea

 

Ein Wort, das viel zu selten vorkommt: Flusen (und ein gutes Buch)

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Vor einiger Zeit hab ich Das Leben und das Schreiben von Stephen King gelesen. Er erzählt locker vor sich hin und schwupps, schon hat man das Buch hinter sich. Stephen King halt. Selbst wenn er über seine Erfahrungen beim Entfernen der Flusen aus dem Flusensieb seines Wäschetrockners schreibt, würde ich es vermutlich auch interessant finden. Wobei – in Stephen Kings Flusensieb wohnt vermutlich ein Flusenmonster. Und sein Wäschetrockner hat ganz sicher ein fieses, rotes Licht, mit dem er einen bedrohlich anstarrt, sobald man die dunkle Waschküche betritt. In der schon Unmengen an Socken spurlos verschwunden sind. Brr.

Das Buch ist perfekt für jeden, der Stephen King und seine Schreibweise mag – und ihm dabei zuhören möchte, wie er über sein Leben philosophiert und seine Lebensgeschichte Revue passieren lässt. Angenehm unaufgeregt und mit dem typischen, trockenen Humor. Ein wenig so an, als würde man mit ihm an einem Sommerabend auf der Veranda sitzen, und er würde seinen Gedanken folgen. Und natürlich ist es ein gutes Buch für all jene, die sich fürs Schreiben interessieren. Also geht hin und leset! 😉

Argh. Grr. Mhm.

Ähnlich artikuliert wie die Überschrift fühle ich mich im Moment, wenns um mein aktuelles Schreibprojekt geht. Irgendwie sitzt alles quer, nichts ist so richtig stimmig … auch nicht ganz falsch, aber das macht es vielleicht noch schlimmer. Nächste Woche krieg ich ein wenig Hilfe von meiner netten Lektorin. Ich hoffe, dann löst sich der Knoten … oder ich werfe dieses Buch demnächst aus dem Fenster.

Warum bin ich nochmal auf die Idee gekommen, dass ich Schreiben will? Grr.

Montagsfrage: Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

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Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

Ok, das ist einfach … Bei Buchhelden nervt mich genau das gleiche, was auch bei Menschen im richtigen Leben nervt: Unreflektierte Dummheit. Dauer-Weinerlichkeit. Oberflächlichkeit. Egoismus. Respektloses Verhalten anderen gegenüber. Kindisches Trotzverhalten.

Wie stehts mit euch? Was nervt euch so richtig? 🙂

Erstausgabe & Blumen ;-)

Tage wie diese … Gestern war die erste gedruckte Ausgabe von meinen Sommerregenküssen im Briefkasten… ein ganz eigenartiges, tolles, merkwürdiges, tränendrüsendrückendes Hach-bin-ich-aufgeregt und Kann-ich-mal-die-Welt-umarmen-Gefühl. Und heute bringt mir mein Sohn (ganz stolz, mit ein wenig Hilfe vom Papa) Blumen vom Einkaufen mit. Weil er stolz ist, dass ich ein „ganzes, richtiges“ Buch geschrieben hab. ❤