Seiler und Speer

Wir befinden uns im Jahre 2015 2016 n.Chr. In ganz Europa stehen internationale Stars an der Spitze der Charts. In ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Misanthropen bevölkertes Ländchen hört lieber Seiler und Speer 😉

Charmant unglattgebügelt und mit Mut zur Zahnlücke läuft „Ham kummst“ (= Nach Hause kommst) von Seiler und Speer schon seit Oktober auf allen Sendern.
(Hier gibts übrigens eine Übersetzung ins Hochdeutsche.)

 

Auf dem Youtube-Kanal der beiden gibts die schmerzhaft lustige Miniserie „Horvarth´s Los“ zu sehen … was (auf niederösterreichisch) ein Wortspiel auf „arbeitslos“ (oabeitslos) ist. Horvarth ist der prototypischer Antiheld: Als arbeitsloser Alkoholiker ist er ein gefundenes Fressen für die Kamera und die bohrenden Fragen des Reporters, die ihn begleiten. Seine gescheiterte Existenz wird in der fiktionalen Reality-Show gnadenlos zum Amusement des Publikums ausgeschlachtet. Ein wirklich sehenswerter, kluger Kommentar auf unsere Zeit. (Allerdings sollte man eine gewissen Toleranz deftiger Sprache gegenüber mitbringen.)

Und für Autorinnen von Liebesromanen gibts dabei einiges zu lernen… nämlich was Frauen wirklich wollen! Unterscheidet sich ein klein wenig von dem gleichnamigen Film. 😉

Now you see me 

 

Vor kurzem stand Mr. Cole und mir – beide grippig und krank – der Sinn nach etwas Nettem, Leichten, Unterhaltsamen. Und auf Amazon Prime gabs grad „Now you see me“ (dt. Titel „die Unfassbaren“) … Und da dachten wir: Morgan Freeman und Woody Harrelson spielen mit, also wirds schon gut sein.

Der Film ist so eine Art David-Copperfield goes Con-Man und versucht ein The-Sixth-Sense-Ende, dass dann irgendwie nicht so ganz klappt.

Die Kameraführung, die Kostüme, das Licht, die Farben – alles bombastischer Hollywood-Glitter. Und Morgan Freeman ist einfach Morgan Freeman. Selbst wenn er aus dem Telefonbuch vorlesen würde, fänd ichs noch großartig. Die etwas zerknautschte Performance von Mark Ruffalo erinnerte mich irgendwie an Columbo, und den mag ich einfach.

Die Tricks waren mir oft einen Tick zu unrealistisch. Was bitte sind das für merkwürdig fliegende Tücher? Und das Ende: Najaaaa. Warum sollte das „Mastermind“ sich noch zu erkennen geben? Und warum dieses Risiko? Und diese Sache mit dem Auge – das hätts gar nicht gebraucht. Und warum hat das Logo der „4 Horseman“ 3 Säulen? Und warum macht das Mastermind für sich selbst den ganzen Film über die Sache unnötig schwer? Und… irgendwie kann ich meine Kritikpunkte nicht schreiben, ohne das Ende zu spoilern.

Also insgesamt: nett für einen Abend auf der Couch, mit Popcorn und jemandem, mit dem man gemeinsam Filmfehler suchen kann.

So, und jetzt noch ein sehenswerter #spoileralarm:

 

I’ve been cumberbatched.

Auf Amazon Prime hab ich neulich Parade´s End ge-binge-watched. Binge-ge-watched? Wie auch immer.

Inhalt (schamlos von Wikipedia kopiert)
A love triangle develops between the old-fashioned Christopher Tietjens, his vindictive wife Sylvia and young suffragette Valentine Wannop, in the midst of World War I and a Europe on the brink of profound change. As the war drags on, Christopher goes to fight in France, and leaves behind Sylvia, a son who may or may not be his, and Valentine. He must ultimately decide whom he is to remain with for the duration of his life: the beautiful yet manipulative Sylvia or the adoring Valentine.

Wie hats mir gefallen:

Mr. Cumberbatch war fabulös, die Kameraführung unaufdringlich gut, die Kostüme glaubhaft … und trotzdem war am Ende so ein klein wenig Enttäuschung. Ich denke, es war die Figuren-Entwicklung, die mir ein zu inkonsistent war. Sylvia war mehr als erratisch – mal so, mal so, sie lernt nicht wirklich dazu. Es ist schwer, mit jemandem zu fühlen, der die emotionale Reife eines Kleinkindes hat.

Die ganze Miniserie gibt einzelnen Momenten viel Raum, aber lässt dann große Zeitabschnitte aussen vor. Manche Handlungsstränge habe ich überhaupt vermisst: Christopher ist doch ein hingebungsvoller Vater – was wird dann später aus seinem Sohn? Was macht das mit Christopher?

Auch Valentine war mir ein wenig zu eindimensional: Eine Kämpferin für die Frauenrechte, naiv, hingebungsvoll in ihrer Liebe zu Christopher. Ewig wartend, bereit auf alles zu verzichten, alles zu akzeptieren. Immer verständnisvoll. Immer lieb. Naaaaja. Gähn.

Also … trotz Mr. Cumberbatch wars irgendwie … nur nett. Hat mich nicht mitgerissen oder aufgewühlt, auch wenn ich historische Dramen mag. Und es ist eine Coproduktion von BBC und HBO – da sollte man meinen, dass eigentlich nichts schief gehen kann, oder?

Die Kritiken sind aber insgesamt sehr positiv – die Chance steht also gut, dass ihr die Serie vielleicht ganz großartig findet! Und immerhin kann man Mr. Cumberbatch zuschauen und -hören. Gibt schlimmeres 😉