Plotbunnies und die Suche nach dem verlorenen Schatz

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Wie schreibt man ein Buch? Woher kommen die Ideen? Wie wird die Geschichte rund und auf unbestimmbare Weise echt? Diese Fragen landen häufig in meiner Inbox.

Eigentlich ist es sehr einfach: Schreiben. Jeden Tag schreiben. Niemals aufhören. Wenn da nicht die schlechten Tage wären.

Schreiben gehört für mich häufig zu den furchtbar mühsamen Dingen. Die Geschichte wehrt sich, irgendwas sitzt quer … und nichts, was man schreibt, passt.

Bei meinen ersten hundert Versuchen ein Buch zu schreiben, war das dann der Punkt, an dem ich aufgegeben habe. Die Geschichte ist nicht stimmig, die Charaktere weigern sich lebendig zu werden und alles ist ein großer Haufen Bockmist, wie die Übersetzer von Mr. King das so eloquent bezeichnen.

Meistens taucht dann wie zum Hohn auch noch ein Plotbunny nach dem anderen auf: Ideensplitter für Geschichten hoppeln verführerisch neu, großäugig und furchtbar flauschig kreuz und quer durch die Großhinrinde. Jetzt ist die Versuchung groß, die alte Geschichten zu verlassen und diesen neuen Ideen zu folgen: Unabgenutzt und ohne die kleinen Verletzungen, die man im Laufe einer stürmischen Beziehung erwirbt, versprechen sie das große Schreibglück. In viel einfacher.

Aber: Ha! Das ist nur ein Trick. Denn diese Plotbunnies entwickeln in Null-Komma-Nix genau die gleichen zickig-neurotischen Verhaltensweisen wie die alte Geschichte, für die man sie verlassen hat. (Ich vermute mal, manche Männer in der Midlifecrisis kennen das Phänomen.)

Also greift man idealerweise zur imaginären Shotgun, feuert ein paar Mal in die Luft und verscheucht diese lästigen Plotbunnies. Dann seufzt man, schultert die Spitzhacke und fährt mit der Grubenkatze ins Bergwerk der Geschichten, hämmert an taubem Gestein herum und sucht nach der Goldader, die da doch verflucht noch mal irgendwo versteckt sein muss.

Das tut man tagelang. Oder wochenlang. Oder, im schlimmsten Fall: monatelang. Und genau dann, wenn man jetzt aber echt und wirklich aufgeben will, mit Quarzstaub zwischen den zusammengebissenen Zähnen, vogelnestartigem Haar und Schwielen an der Seele, passiert es: Ein bisschen tektonisches Gerumpel, eine schicke kleine Kontinentalplattendrift … und die Dinge greifen auf eine Art ineinander, die einen sprachlos und ehrfürchtig macht.

Charaktere werden echt, lose Fäden schlingen sich von alleine ineinander, Geschichtenstoffe weben sich wie von selbst durch tausendundeine Nacht. Und für eine Weile ist Schreiben das Beste, was es gibt: Wie ein Rausch, echter als die Realität es sein kann und das große Glück.

Wo die Geschichten herkommen, weiß ich nicht – und es ist fraglich, ob ich das je herausfinden werde. Ich vermute, das hat was mit morphischen Feldern, dem Ursprung der Dinge und Quantenmechanik zu tun. Und wenn Mr. Cole und ich gut drauf sind, der Martini in Strömen fließt und wir Nächte durchquatschen, dann glaube ich manchmal für eine Sekunde, dass ich es verstanden habe.

Aber am nächsten Morgen ist es wieder weg. Zurück bleiben Grubenkatze und Spitzhacke, und die Suche nach dem verlorenen Schatz. Und bei genauerer Betrachtung ist diese Möglichkeit an sich schon Geschenk genug.

 

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11 Gedanken zu “Plotbunnies und die Suche nach dem verlorenen Schatz

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