Jolandas freundliche Übernahme

Ich übernehme hier jetzt ab und zu – Charlotte hat so viel um die Ohren, da war sie glaub ich ganz froh, dass ich ihr meine Hilfe angeboten habe.

Ich arbeite gerade daran, mir meinen Traum zu erfüllen: Ich möchte meine eigene Werkstatt eröffnen. Eine Töpferei. Mit einem angeschlossenen Shop. Noch ist alles ziemlich unklar, die Finanzierung ohne Zusage und auch den Vertrag für das Geschäftslokal habe ich noch nicht unterschrieben … aber ich weiß, ich kann das hinkriegen. Ich will das hinkriegen.

Charlotte ist übrigens grad ziemlich ungenießbar, falls ihr mich fragt. Nur noch ein paar Tage, bis sie dieses Buch abgeben muss, und sie tut nichts anderes, als ständig rumzunerven. Motivation der Charaktere da, Spannungsbogen dort. Blah blah. Langweilig!

Jetzt mal im Ernst – wen interessierts. Mich nicht. Liebesromane sind nicht mein Ding. Total unrealistische Schnulzen. Diese Vorstellung mit dem und-sie-lebten-glücklich-bis-an-ihr-Lebensende … das gibt es nur in Büchern. Und im Film. Im richtigen Leben läuft es doch meistens mehr nach dem Motto wham-bang-thankyou-ma´am, richtig? Nicht, dass mich das stören würde. Irgendwann hatte ich mal einen Typen, der kuscheln wollte. Und reden. Meine Eierstöcke haben sich vor lauter Schreck eingedreht. Ich meine – was ist mit den Männern los, wenn man sich nicht mal mehr drauf verlassen kann, dass sie einen Onenightstand ordentlich hinkriegen? Hat er gedacht, wir häkeln beim Frühstück an unserem ersten Klopapierrollenschoner?  Als Baustein für unser gemeinsames Leben? Menschen sind merkwürdig. Und da meine ich Männer genauso wie Frauen.

Na egal. Ich kanns jedenfalls kaum abwarten, endlich mein eigener Chef zu sein. Ich weiß nicht, wie lange ich es noch aushalte, in dieser Fastfoodbude zu arbeiten. Nicht wegen der Arbeit. Ja, die ist stupide. Und ja, ich rieche wie eine Wanne Frittierfett, wenn ich Abends nach Hause komme. Aber das alles stört mich nicht.

Es sind die Menschen. Dieser ständige Kontakt macht mich fertig. Ich hab ja nichts gegen Menschen im einzelnen. Also meistens. Ich bin jetzt auch nicht unbedingt ein Fan, aber ich kann Menschen tolerieren, so lange sie spärlich auftreten. Doch in Gruppen: uhh. Geht gar nicht. Und in so einem Fastfoodrestaurant wimmelt es praktisch. Da sind die Kunden noch gar nicht eingerechnet.

Ich weiß auch nicht, woran es liegt. Ich kann das schwer erklären – aber es ist, als würde mir der Schlüssel zu all dem hier fehlen. Als wäre ich bei meiner Geburt am falschen Planeten gelandet, und das Übersetzungsgerät würde immer nur Fragmente liefern, niemals ganze Sätze.

Ich kann mit anderen Menschen einfach nicht viel anfangen. Und sie mit mir auch nicht. Eine Ausnahme ist da meine Tante Adelheid. Aber die ist auch nicht unbedingt ein Musterbild an Normalität. Vielleicht erzähle ich euch beim nächsten Mal von ihr.

Jetzt muss ich los, meine Schicht beginnt bald. Und ich bin lieber ein wenig zu früh dort, da hab ich die Garderobe noch für mich alleine. Ansonsten erwarten meine Kollegen wieder, dass ich Interesse an ihrem Leben heuchle. Und bevor ich noch mal so tun muss, als würde ich das hässliche, fette Baby meines Spindnachbarn tatsächlich süß finden, frittiere ich lieber meine Augäpfel.

Eure Jolanda

 

2 Gedanken zu “Jolandas freundliche Übernahme

  1. Hallo, Jolanda!
    Na, wenn du schon für die arme gestresste Charlotte übernimmst, kannst du so menschenfeindlich ja nicht sein. Aber ich verstehe dich. Manchmal ist der Gedanke an andere Menschen schon so anstrengend, dass ich am liebsten wieder zurück ins Bett gehen würde. 🙂

    (hat das funktioniert?)
    Es ist auf jeden Fall nett dich kennenzulernen, Jolanda. Und liebe Grüße an das arme gestresste Autorentier. 🙂
    LG, m

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