Welcher Schriftsteller ist kein Kotzbrocken?

Sehr unterhaltsam und lesenswert – ein Interview in der SZ mit dem Cheflektor des Suhrkamp Verlages, Raimund Fellinger.

Ich könnte an seinem Schreibtisch nicht arbeiten. Ahh, viel zu viel visuelles Rauschen.

Aber ein neuer, schöner Satz für meine Sammlung: „Es war nicht vorgesehen, dass ich in dieser Art Welt landete.“

und #verytrue: „Autoren, die ein Manuskript abgeben, schwanken zwischen Scham, Furcht und Größenwahn.“ Sogar dann, wenn es U statt E ist, und nicht in der Suhrkampliga mitspielt.

#veryverytrue: „Allerdings kann kein Lektor sich nach Erhalt eines Manuskriptes so schnell melden, wie der Autor meint, dass er sich melden müsste.“ Jaaa!  Da tritt irgendsoeine Art Zeitverschiebung ein, und plötzlich wird aus einer Woche ein Jahr. Warten ist Folter. Argh.

 

6 Gedanken zu “Welcher Schriftsteller ist kein Kotzbrocken?

    • Nicht, dass ich mich jetzt in eine Reihe mit Handke stellen will. Nicht mal annähernd derselbe Planet. Aber wenn jemand Veränderungen am eigenen Text vornimmt, dann ist das schon schwierig, findest du nicht? Wenn ein Autor mit, durch und für seinen Text lebt, dann kann er das durchaus als Anschlag empfinden.

      @nette Autoren: die echten Künstler vermutlich nicht. Man muß ein Meer an Schmerz, Selbstzerfleischung und Drama mit sich rumschleppen, um Großes zu schaffen. Das ist für die Menschen in der Umgebung nicht einfach.
      Im Zusammenhang mit diesem Satz fehlt vermutlich ein Zwinkersmiley hinter dem Satz – aber das geht in der SZ natürlich gaaar nicht. Dafür sieht man es ziemlich deutlich in seinen Augen auf Seite zwei.

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  1. Nein, da bin ich völlig anders gestrickt. Ich finde nicht, dass ein lektoriertes Komma gleich mein großartiges Kunstwerk schädigt. Denn das ist nie fertig: Ich würde keins meiner Bücher wieder genauso wie sie gedruckt wurden, wieder schreiben und praktisch jeden Satz noch einmal verbessern. Und dann wieder. Und immer weiter, ad infinitum. Sprich: Den perfeken Text gibt es ohnehin nicht. Und wer das als Autor/Autorin von seinen/ihren eigenen Manuskripten glaubt, ist in meinen Augen schon ein wenig verschroben.
    Und zum Drama der Selbstzerfleischung des Künstlers: für mich nur eines der vielen Mythen um unser Metier. Meine Güte, Goethe z.B. war ein typischer Spießer, dessen größtes Abenteuer darin bestand, von seinem Brotherrn ein Jahr Urlaub für Italien zu erbitten. Und dennoch hat er mit das Großartigste geschrieben, was unsere Sprache hergiebt. Es muss nicht alles Kafka und Van Gogh heißen …

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    • Das mit dem Komma hätte ich anders verstanden: nämlich so, dass da eines vergessen wurde oder vielleicht fehlerhaft gesetzt. Deswegen die letzte persönliche Kontrolle.

      Ich würde an meinem ersten Buch auch vieles ausbessern. Aber sobald es draußen ist, gehört es den Lesern, nicht wahr? 🙂

      Auch bei Goethe schimmerte persönliche Not durch den Text, empfindest du das nicht so? Die Leiden des jungen W? Faust? Niemand, der Schmerz nicht kennt, kann so darüber schreiben. Man muss eine Sprache kennen, um sich darin auszudrücken. Für mich ist die ursprüngliche Sprache der Autoren die Emotion. Wörter sind das Vehikel, und das sage ich in demütiger Verehrung dieser. 😉

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      • Zu dem Komma: Der Lektor (und um den gings ja), korrigiert das Komma (was später die Setzer machen, steht auf einer anderen Druckseite). Und ein Handke regt sich über diesen Eingriff auf.
        Und was den Schmerz angeht – klar, hat Goethe (wie jeder andere Mensch) ihn erlebt. Aber ich find halt einfach nur, dass man ihn nicht „… mit sich rumschleppen muss um Großes zu schaffen“. Mir geht die „gequälte Künstlerseele“ auf den Keks, die mit Kunst nicht unbedingt was zu tun haben muss. Sonst wären ja um Umkehrschluss alle gequälten Seelen große Künstler 🙂

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